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THEMA: Leben, Lachen und Grollen mit der Behinderung (10.8.2010)

Leben, Lachen und Grollen mit der Behinderung (10.8.2010) 10 Aug 2010 09:38 #14424

  • Brigitte1959
NoBodys perfect
Leben, Lachen und Grollen mit der Behinderung

Ein Film, der vieles wagt und vieles hätte falsch machen können: Regisseur Niko von Glasow, selbst von Geburt an Contergan-geschädigt, macht mit seinem bewegenden, souverän inszenierten Dokumentarfilm auf das fast schon vergessene Leid der körperlich Schwerbehinderten aufmerksam. Äußerer Aufhänger für seinen Film ist der Versuch, elf Betroffene für Nacktaufnahmen vor die Kamera zu bekommen. Bei diesem Unterfangen erfährt von Glasow nicht nur mehr über sich, sondern lässt sich auch vom Lebensmut seiner Leidensgenossen anstecken, denen es auf vielfältige Weise gelingt, in beeindruckender "Normalität" zu leben. Herauskommt ein Film, der niemals reißerisch oder platt wirkt, sondern die latente Angst vor der Grenzübertretung mit warmherzig trockenem Humor abmildert.


Fotos voller Würde: BBC-Radiomoderator Fred Dove ließ sich dazu überreden, vor der Kamera zu posieren.
Bild von: WDR / Niko von GlasowNigel Coles britische Erfolgskomödie "Calender Girls" (2003), in der zwölf ältere Damen beschließen, sich für einen guten Zweck nackt vor der Kamera zu präsentieren, hat mit Niko von Glasows "NoBodys perfect" einen Quasi-Nachfolger gefunden. Doch die Aktmodelle in diesem ungewöhnlichen Dokumentarfilm haben bei der Herstellung ihres Erotik-Bildbands mit ganz anderen Problemen zu kämpfen als die Damen aus "Calender Girls". Denn Regisseur von Glasow und seine mutigen Mitstreiter (darunter ein Reporter, ein Schauspieler, eine Dressurreiterin und ein Astrophysiker) sind Contergan-geschädigt und weisen erhebliche Missbildungen an ihren Körpern auf. Wie viele andere Geschädigte haben ihre Mütter in den Jahren zwischen 1957 und 1961 das Schlafmittel Thalidomid, landläufig bekannt unter dem Produktnamen "Contergan", erhalten - und kamen mit schlimmen Missbildungen an den Gliedmaßen zur Welt.

"Ich hatte immer die größte Angst, in der Badehose an den Strand zu gehen", erzählt von Glasow. Also war ihm klar, dass es für ihn die größte Herausforderung darstellen würde, sich nackt vor der Kamera zu zeigen. Wie Helden, die sich in den guten Drehbüchern immer ihren größten Ängsten stellen müssen, schrieb sich der erfahrene Filmemacher, der schon mit dem Film "Edelweißpiraten" Furore machte, seine Rolle auf den eigenen Leib.

"Es war Zeit, der nackten Wahrheit ins Gesicht zu sehen", sagt er. "Ich habe den Fakt, dass ich behindert bin, lange verdrängt." Dass der fertige Film daher durchaus auch etwas Selbst-Therapeutisches hat, wurde ihm rasch bewusst. Allerdings war ihm wichtig zu zeigen, dass jedermann zunächst die eigenen gewaltigen inneren Unsicherheiten bekämpfen müsse. "Ich glaube, dass alle Menschen behindert sind", lautet sein Fazit. "Nur in meinem Fall sieht man es besser."

Von Glasow schert sich in seinem Film erfrischend wenig um "Political Correctness" und macht sich frei von lähmender Bitterkeit, die viele der Schicksale der "Contis" umgibt, wie sie sich in seinem Film selbstbewusst nennen. Von Glasow, der im trotzig-schwarzhumorigen Michael-Moore-Stil selbst durch den Film führt, sagt einmal, dass er weniger seinen Körper mit den kurzen Stummelarmen beklage, sondern seine "seelische Muffigkeit". Im Gespräch mit den Leidensgenossen fällt es auch dem Regisseur immer leichter, zu einem selbstbestimmteren Umgang mit seiner Außergewöhnlichkeit zu finden. Immer wieder wird die Frage gestellt, ob einer der "Contis" schon einmal mit dem Selbstmordgedanken gespielt habe - und immer öfter im Film wird die Frage verneint.

Ein intensiver Höhepunkt der packenden Dokumentar-Therapie ist etwa eine Szene, in der von Glasow und sein Contergan-geschädigter Begleiter im Rollstuhl von feixenden Teenagern angegangen werden. Ein Junge findet sich, der sich mutig vor seine Spielkameraden stellt und diese mit ihren vorurteilsbehafteten Weltsicht konfrontiert. Vielen Betrachtern dürfte sich dagegen der Hals beklommen zuschnüren, wenn von Glasow private Filmaufnahmen montiert, in denen behinderte Kleinkinder versuchen, beim Spiel mit ihren Altersgenossen mitzuhalten. Und wenn geschildert wird, wie hartherzig viele überforderte Mütter und das Krankenhauspersonal bei der Geburt der Contergan-Kinder reagierten, dürfte jedem Betrachter der Atem stocken. Ein heikles Thema, sensibel, aber auch selbstbewusst-souverän inszeniert!

teleschau der Mediendienst



Die Frau des Leuchtturmwärters

37°: Meine Frau zahlt



Die Aktfotos aus dem Dokumentarfilm "NoBodys perfect" wurden kunstvoll arrangiert.
Bild von: WDR / Niko von Glasow Selbstbewusster Blick in der Kamera: Der WDR-Filmemacher ermöglichte es seinen behinderten Bekannten (im Bild die Britin Kim Morton), sich so zu zeigen, wie es ihnen selbst gefiel.
Bild von: WDR / Niko von Glasow In "NoBodys perfect" geht es um den mutigen Umgang mit der eigenen körperlichen Versehrtheit. Beim erotischen Fotoshooting stand Filmemacher Niko von Glasow (links) selbst vor der Kamera.
Bild von: WDR / Niko von Glasow Nach dem Fotoshooting feierten die Contergan-Geschädigten, die sich selbst scherzend "Contis" nennen, eine große Party.
Bild von: WDR / Niko von GlasowAnzeige
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Leben, Lachen und Grollen mit der Behinderung (10.8.2010) 10 Aug 2010 15:54 #14433

  • Brigitte1959
NoBody's Perfect

Regisseur und Produzent Niko von Glasow und Drehbuchautor Benedikt Röskau.

Eigentlich ist es eine einfache Frage: «Papa, warum gehst Du mit mir nicht ins Schwimmbad?», will der zwölfjährige Mandel von seinem Vater Niko von Glasow wissen. Doch dem fällt die Antwort nicht ganz so leicht. Schließlich ist von Glasow ein Contergan- Geschädigter, seine Arme sind kürzer als bei anderen Menschen. Noch immer wird er auf der Straße angestarrt, nur mit einer Badehose bekleidet, ist das nicht wirklich besser.

Von Glasow hat allerdings auch mit sich selbst Probleme, trotz aller rationaler Erklärungsversuche ist er nicht ganz glücklich mit seinem Körper. Deswegen entscheidet er sich zu einem radikalen Schritt - er will Aktfotos für einen Kalender machen und überredet dafür gleich noch elf andere Contergan-Betroffene. Diese schmerzliche und zugleich humorvolle Suche nach sich selbst dokumentiert der Regisseur («Edelweisspiraten») in seinem Film «NoBody's Perfect» (ARD, 22.45 Uhr).

Sein Kalender-Projekt ist gerade zu Beginn eine Herausforderung - für die künftigen Aktmodelle und den Zuschauer. Denn die zwölf Protagonisten geben ihre Ängste, Wünsche und Träume offen und ungekünstelt preis. Sie berichten ehrlich von schuldgeplagten Müttern, lästernden Nachbarn, sich schämenden Vätern, Problemen mit Partnern und Selbstmordgedanken.

Selbst wenn es dabei nicht im Mittelpunkt steht, so ist «NoBody's Perfect» natürlich auch ein politisches Statement. Schließlich weigern sich die Erben der für den Skandal verantwortlichen ehemaligen Pharmafirma Chemie Grünenthal noch immer, von Glasow vor der Kamera zu treffen und seine Fragen über angemessene Entschädigungszahlungen und Fehler des Konzerns bei der Vermarktung des Medikaments Contergan Ende der 50er Jahre zu beantworten.

Dabei ist «NoBody's Perfect» aber kein Film, der nur bedrückt. Stattdessen versteht es Regisseur von Glasow, nicht nur die Behinderung in den Vordergrund zu stellen. Er erzeugt auch durchaus komische Momente, wenn einige seiner Aktmodell-Mitstreiter verschämt von ihrem ungeliebtesten Körperteil wie ihrem etwas wabbeligen Bauch sprechen - nur, um sofort darauf hysterisch aufzulachen. Der englische Schauspieler Mat Fraser hingegen hat keine Probleme damit, seinen Körper zu zeigen, schließlich sei er an entscheidender Stelle ja gut bestückt, verrät er schmunzelnd. Und von Glasow selber glaubt selbstironisch, dass nicht seine Behinderung, sondern sein manchmal etwas sturer Kopf ein Problem für seine Frau sein könnte.

Es ist diese Mischung aus sehr ernsten und privaten Momenten sowie der unglaublich positiven Lebenseinstellung vieler Protagonisten, die «NoBody's Perfect» zu mehr macht als «nur» einem Film über Contergan- Geschädigte. Auch die Aktfotos sind eher ein Nebenprodukt. «NoBody's Perfect» ist viel mehr: ein Film über Männer und Frauen in der Midlife-Crisis, ein Porträt kämpferischer Menschen, die trotz ihrer Behinderung Rechtsanwalt, Astrophysiker, Politikerin und Dressurreiterin wurden - und ganz nebenbei die Suche des von Glasow nach sich selbst. Das klappt so gut, dass der Regisseur am Ende sogar mit seinem Sohn am Strand baden geht.

http://www.nq-online.de/index.php?NQID= ... gabe=53255









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Leben, Lachen und Grollen mit der Behinderung (10.8.2010) 10 Aug 2010 15:58 #14434

  • Brigitte1959
Anfang der weitergeleiteten E-Mail:


Von: "Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!" <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!>
Datum: 10. August 2010 12:27:53 MESZ
An: Contergan Aktionsgruppe <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!>
Betreff: Betreff: Solidaritäts-Fest "NoBody's Perfect" in Sinzig: HEUTE


Anfang der weitergeleiteten E-Mail:


Von: www.contergan-sh.de <henning@contergan-sh.de>
Datum: 10. August 2010 12:37:34 MESZ
An: michael.rosenberg@koelner-holzhaus.de
Betreff: Als Niko von Glasow ........ Nobody's perfect ......


Foto: WDR/Niko von Glasow
Als Niko von Glasow 2009 den deutschen Filmpreis für seinen Dokumentarfilm Nobody's perfect bekommt, muss sich das angefühlt haben wie das Erreichen des wohlverdienten Ziels nach einer langen Reise. In seinem Film begleitet der Regisseur die Nacktaufnahmen zur Produktion eines Kalenders - was an sich nicht bedeutungsvoll wäre, wenn es sich bei den porträtierten Menschen nicht allesamt um Contergan-Geschädigte handeln würde.

Irgendwann im Film sieht der Zuschauer auch von Glasow, der von seinem Sohn gefragt wird: «Papa, warum gehst Du mit mir nicht ins Schwimmbad?». Das hat seinen Grund, denn auch von Glasow ist ein Contergan-Geschädigter. Seine Arme sind kürzer als bei anderen Menschen. Noch immer wird er auf der Straße angestarrt, nur mit einer Badehose bekleidet, ist das nicht wirklich besser.

Viele Jahre lang weigerte er sich, seiner Behinderung zu akzeptieren und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Doch dies soll sich ändern, und so kommt der Regisseur auf die Idee, einen Foto-Kalender zu produzieren und die Arbeit daran von einem Filmteam begleiten zu lassen. Das Ergebnis ist in dem Film Nobody's Perfect zu sehen, den das Erste am 10. August um 22.45 Uhr in Erstausstrahlung zeigt.

Der Dokumentarfilm präsentiert dem Zuschauer knapp 80 Minuten lang elf Menschen mit zu kurzen Armen und Beinen, oft nackt, verschämt und ängstlich, aber häufig auch ausgelassen, erotisch und ehrlich. Der Film beschönigt nichts, weil es nichts zu beschönigen gibt. Doch neben Kummer und Schmerz bietet er auch schwarzen Humor: So versucht der britische Schauspieler Matt Fraser mit dem Geld, das er mit dem Kalender-Projekt verdient, ein «Contergan-Klo» zu kaufen. Der Brite erklärt, warum: «Nach dem Schiss bleibst du sitzen. Das Wasser spült hoch und duscht Dir den Arsch, dann wirst Du gefönt.»



1957 brachte das Pharmaunternehmen Grünenthal, im Besitz der Familie Wirtz, das Schlafmittel Contergan auf den Markt - ohne vor Nebenwirkungen, insbesondere bei Schwangeren, zu warnen. Der in dem Mittel enthaltene Wirkstoff Thalidomid störte den Wachstumsprozess vieler Babys und sorgte dafür, dass weltweit etwa 10.000 Kinder mit körperlichen Missbildungen - meist kurzen Beinen und Armen - auf die Welt kamen.

Der Wirtz-Clan weiß, welcher Film da in der ARD läuft. Von Glasow hat den Gesellschaftern eine DVD geschickt, verbunden mit der Einladung zum Gespräch. «Ich weiß, dass meinen Film nicht nur die Familie Wirtz gesehen hat, sondern viele Menschen, die in der Pharmaindustrie arbeiten.» Passiert ist dieses Mal nichts: Keine Kontaktaufnahme, keine Erklärung, keine Klage. Die Ausstrahlung des Contergan-Spielfilms Eine einzige Tablette vor drei Jahren hatte Grünenthal vor Gericht erbittert bekämpft - am Ende durfte der Film gezeigt werden.

Am Ende ist Nobody's Perfect für Regisseur von Glasow deshalb besonders wichtig, weil er selbst durch den Film «die Scheu vor Contergan-Behinderten verloren» hat. Auch der Zuschauer sollte sich erlauben, Ängste im Umgang mit Behinderten abzubauen - dieser Film könnte dazu beitragen.

Nobody's Perfect,

10. August, 22.45 Uhr,

Das Erste.

http://www.news.de/medien/855068184/die ... n-opfer/1/






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Leben, Lachen und Grollen mit der Behinderung (10.8.2010) 10 Aug 2010 18:19 #14437

  • Brigitte1959
Mit Frechheit und Humor
Der Conterganskandal liegt fünfzig Jahre zurück. Der Film „NoBody's Perfect“ des selbst durch das Medikament geschädigten Filmemachers Niko von Glasow stellt zwölf Betroffene vor, die sich zu einem gemeinsamen Aktkalenderprojekt verabredet haben.
Von Lena Wilde


Eine der zwölf Contergan-Geschädigten, die sich der Kalenderidee des Regisseurs anschlossen


10. August 2010 „Ich wurde als Kind immer nackt präsentiert, das war grausam“, sagt Sofia Plich. Die gelernte Sozialarbeiterin lebt von Geburt an mit extrem verkürzten Armen. Doch seit zwei Jahren gibt es dieses Foto von ihr: Strahlend, springend und splitternackt ist die schlanke Frau darauf zu sehen. Die kurzen Arme hat sie triumphierend in die Höhe gereckt. Sofia kommentiert das Bild so: „Sonst wirst du als Behinderter immer angestarrt. Und jetzt gehe ich in die Offensive: Guckt mich an!“

Sofia Plich ist eine von zwölf Contergangeschädigten, die der selbst betroffene Filmemacher Niko von Glasow in seiner Dokumentation „NoBody's Perfect“ vorstellt. Die Begegnung des Regisseurs mit den anderen Betroffenen gipfelte in der Herstellung von zwölf Aktfotos, die in einem Kalender und einem Buch veröffentlicht wurden. Die Produktion eines Kinofilms über dieses ästhetische wie politische Projekt ist jetzt zwei Jahre her. Heute Abend wird die im Jahr 2009 mit dem Deutschen Filmpreis prämierte Dokumentation im Ersten ausgestrahlt.

Niko von Glasow ist 1960 geboren und entstammt der Kölner Verlegerfamilie DuMont. Auch er musste sich zeit seines Lebens mit verkürzten Armen arrangieren, hatte das Thema bei seiner filmischen Arbeit aber bisher gemieden. Der WDR habe ihn aufgefordert, einen „persönlichen, originellen und witzigen Film“ über Contergangeschädigte zu drehen.

Wie würde man nur ohne Contergan aussehen?
Herausgekommen ist eine durch Begegnungen und Konfrontationen gewachsene Dokumentation, in der von Glasow sich die gleiche Rolle gegeben hat wie den elf anderen Betroffenen. Am Anfang ist noch nicht klar, wer letztlich mitmachen wird bei dem Kalenderprojekt. Der Film lässt allen Beteiligten Zeit zum Zögern und Überlegen. Schamgefühle müssen überwunden, Posen überlegt werden.

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In den sehr persönlichen Gesprächen vor dem Fototermin findet das Philosophieren über die Lebensumstände genauso Raum wie situationsbedingtes Gefrotzel. Der Fokus des Films liegt nicht nur auf der Frage nach dem Leidensdruck, sondern auch auf den Möglichkeiten des Humors, der unter diesen Umständen möglich ist. Dahinter steckt durchaus eine Strategie. In einem Interview sagte von Glasow: „Mit Humor und Frechheit knackt man Menschen.“ So entstehen offene Auseinandersetzungen mit den Fragen, wie man wohl ohne Contergan ausgesehen hätte, ob die eigene Mutter Schuldgefühle hat, wie es einem gelingen kann, sich selbst zu akzeptieren, und ob man sich schon einmal das Leben nehmen wollte.

Verschämt versteckt von den Eltern
Die ehrlichen Antworten zeugen dabei von der eigentlichen filmischen Leistung von Glasows: Er konnte Vertrauen gewinnen. Indem er selbst viel von sich preisgibt, ermutigt er die Zurückhaltenden zu offenen Worten, und den Extrovertierten gibt er ein Forum, zu sagen, was sie schon immer einmal sagen wollten.

Die Dokumentation zeigt auch auf, in welcher Lebenssituation die heute um die fünfzig Jahre alten Contergangeschädigten stehen. Einige von ihnen haben anspruchsvolle Berufe gelernt, sind Jurist, Reporter oder Schauspieler geworden. Sogar eine Bürgermeisterin und eine Dressurreiterin finden sich unter ihnen. Andere sind beinahe aussichtslos in die Arbeitslosigkeit hineingeraten.

Auch ihre Vergangenheit wird im Film nicht ausgespart. Von Stefan Fricke, dem Astrophysiker, wird beispielsweise ein Kindheitsvideo gezeigt: Der kleine Junge mit den kurzen Armen und Beinen robbt über den Fußboden. Später werden ihm wuchtige Fahrzeugungetüme untergeschoben, mit denen er sich leidlich fortbewegen kann. Andere, wie Doris Pakendorf, berichten über ihre Kindheit. Wie sie eingehüllt wurde in weite, verdeckende Gewänder und den Schamgefühlen vor allem ihres Vaters ausgesetzt war.

Gelingt eine gemeinsame Mobilisierung?
Ausführlich wird im Film die Ursache der Behinderungen angesprochen. Das Schlafmittel Contergan der Firma Grünenthal wurde von 1957 bis 1961 vertrieben. In Deutschland sind etwa fünftausend Säuglinge mit conterganbedingten Schädigungen zur Welt gekommen. Etwa 2800 davon überlebten bis heute. Von Glasow versucht bislang vergeblich, mit den Inhabern von Grünenthal zu sprechen. Er beklagt das fehlende Schuldeingeständnis der Verantwortlichen, die sich bis heute nicht bei den Geschädigten entschuldigt haben und es bei einer einmaligen und - gemessen an der Zahl der Betroffenen - geringen Entschädigung von rund hundert Millionen Mark belassen haben. Der Betrag ist schon seit den achtziger Jahren aufgebraucht. Seitdem werden die Geschädigten mit Steuergeldern unterstützt.

Mat Fraser, der britische Schauspieler, findet dazu klare Worte: „Das ist ein klassisches Beispiel für Unternehmenskriminalität. Ein paar Männer haben viel Geld gemacht und uns kurze Arme. Ich will etwas von genau dem Geld.“ Andreas Meyer, der Jurist, vermutet, dass die Firmeneigentümer auf das baldige Ableben der Geschädigten warten, mit dem sich die Forderungen von selbst erledigten.

Dass der Konzern gegenüber den Betroffenen eher auf Verdrängung setzte, zeigte eine gerichtliche Auseinandersetzung vor drei Jahren: Damals ging das Unternehmen gegen die Ausstrahlung des Spielfilms „Contergan. Eine einzige Tablette“ von Adolf Winkelmann vor und klagte bis zum Bundesverfassungsgericht (siehe Der Kampf um den Fernsehfilm „Contergan“). Um der Verdrängung entgegenzuwirken, ist es wichtig, die Betroffenen immer wieder öffentlich zu Wort kommen zu lassen. Vielleicht gelingt in Deutschland, was in England bereits gelungen ist: Eine gemeinsame Mobilisierung im Kampf für eine höhere Entschädigung. Denn der Finanzbedarf der Geschädigten steigt mit dem Alter, so von Glasow: „Die meisten Conterganleute brauchen jetzt einfach Pflege, und Pflege kostet sehr viel Geld.“

NoBody's Perfect, an diesem Dienstag um 22.45 Uhr im Ersten



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, WDR/Niko von Glasow

http://www.faz.net/s/Rub510A2EDA82CA4A8 ... ntent.html








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